Noch trennt ein Zaun das Klybeck-Areal vom Rhein. Doch schon jetzt lässt sich erahnen, was hier einmal entstehen soll: ein Freiraum in der Grösse eines Fussballfelds. Vanessa Prein lässt den Blick über das zwischengenutzte Areal schweifen. Die Basler Juristin kennt das Gebiet wie ihre Westentasche. Schliesslich arbeitete sie jahrelang bei der Novartis. Heute leitet Vanessa das Tanzhaus auf dem Franck-Areal. «Dass Wohnraum am Wasser entstehen soll, finde ich schön. Das ist das, was die Stadt braucht.»
Vorbei am Hafenkran geht es rheinabwärts Richtung Norden. Jugendarbeiter Manuel Raemy zeigt auf die Güterzüge, die hier am Hafenbahnhof stationiert sind und meint: «Mit der Transformation wird das Areal zugänglicher. Zum Beispiel durch den Rückbau der Gleise.» Bei der Mauer, die das Areal vom Altrheinweg trennt, bleiben die beiden stehen. «Bisher waren die Industrieareale verbotene Städte für die Bevölkerung», kommentiert Vanessa. «Wenn in Zukunft alles durchgängig sein wird, ist das eine neue Qualität.»

Eine verlassene Stadt
Auf dem ehemaligen BASF-Areal nördlich der Dreirosenbrücke wird die Grösse des entstehenden Quartiers spürbar. Manuel staunt und sagt: «Es sieht aus wie eine verlassene Stadt, das hat etwas Postapokalyptisches.» Vanessa blickt zu den Hochhäusern: «Ich fände es schade, wenn der Industriecharme verloren ginge.» Zwischen Bestandsbauten wie dem markanten ehemaligen Novartis-Hochhaus und neuen Gebäuden soll ein promenadenartiger öffentlicher Raum entstehen, der Verbindung und Begegnung ermöglichen soll. «Klingt grossstädtisch», grinst Manuel, betont aber: «An den Begegnungsorten wird sich zeigen, wie gut die Leute im Quartier zusammenfinden. Wichtig ist, dass einzelne Gruppen nicht zu viel und andere nicht zu wenig Platz erhalten. Ich sehe aber durchaus Chancen für ein gutes Miteinander.»
Unterwegs vom Klybeckplatz zum Horburgpark und damit zur Mauerstrasse mit ihren prägenden Backsteingebäuden sagt Manuel: «Nimmt mich wunder, wie die Bauphasen geplant sind. In der Regel wird der Wohnraum bezogen, wenn die Grünflächen noch nicht fertiggestellt sind.» In unmittelbarer Nähe zum Horburgpark soll eine Gewerbezone entstehen. Dort treffen Grossfirmen auf Kleinbetriebe und Cafés auf Boutiquen. «Hier wäre doch das Ziel, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden», kommentiert Vanessa. «Eine Mittagsküche und Möglichkeiten für ein Feierabendbier wären toll», überlegt Manuel. «Wenn hier am Samstagmorgen ein Markt stattfinden würde, wäre ich auch dabei», lacht die Leiterin des Tanzhauses.
Ein neuer Basler Stadtpark
In Richtung Wiesenplatz öffnet sich auf dem bestehenden Industriegebiet eine weitläufige betonierte Fläche. Mit der Klybeckmatte soll hier ein Park entstehen – so gross wie die Wiese am Birsköpfli auf Basler Seite. Das kleine, in die Jahre gekommene Dienstgebäude im Zentrum der geplanten Grünfläche soll zu einem Pavillon umfunktioniert werden. «Eine Riesenchance», sagt Manuel, «wenn der Espresso nicht sechs Franken kostet.» Vanessa lacht: «Oder wenigstens gut schmeckt.»

Nicht weit entfernt von der Klybeckmatte liegt der Klybeckplatz. Heute eine Kreuzung, in Zukunft der wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Quartier und direkter Zugang zum Rest der Stadt. «In Basel hat man es kaum geschafft, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden harmonisch zusammenzuführen. Wäre schön, wenn es hier klappen würde», sagt Vanessa. «Der funktionale Charakter ist gut, aber ein weiterer Ort zum Verweilen wäre toll», meint Manuel dazu.
Ein riesengrosses Areal, eine riesengrosse Chance
Beim Nachtessen lassen Vanessa und Manuel ihren Spaziergang durchs Klybeck-Areal Revue passieren. «Mir wurden nun die Dimensionen nochmals bewusst. Ich kann mir jetzt besser ausmalen, was hier entstehen kann», fasst der Jugendarbeiter zusammen. «Natürlich sehe ich noch keine Resultate, aber es freut mich, dass eine starke Begrünung angedacht ist.» Vanessa teilt seine Meinung: «Es ist ein riesengrosses Areal, eine riesengrosse Fläche, eine riesengrosse Chance».
Und was wünschen sich die beiden für die Zukunft des neuen Quartiers? «Ich wünsche mir, dass es ein zugänglicher Ort für ein ganz breites Spektrum unserer Stadt wird», sagt Manuel, und Vanessa ergänzt: «Ich erhoffe mir, dass das Neue Klybeck und Basel zu einer echten Einheit zusammenwachsen.»
Dieser Artikel erschien ursprünglich im Magazin klybeckplus und wurde für die vorliegende Publikation leicht gekürzt.
Konzept und Redaktion: Arbeitsgruppe Kommunikation klybeckplus, everyday Werbeagentur GmbH, Textair GmbH, Cédric Bloch Foto & Film



