Als die Basler Chemie Anfang des 20. Jahrhunderts ins Klybeck zog, stand vor allem die Produktion im Vordergrund. Der Rhein war ein praktischer Transportweg und führte damals gratis die Industrieabwässer ab. Ans heute selbstverständliche Rheinschwimmen war damals nicht zu denken: Auf industriellem Niveau wurden hier chemische Produkte hergestellt, unter anderem die Farbe Fuchsia, ein früher globaler Exportschlager. Auch das weltberühmte Ferrarirot stammt von hier.
Der wachsende Erfolg führte zu Expansionen, Firmenkonsolidierungen und Sortimentserweiterungen um diverse Medikamente, Dünger und weitere Farben. So wuchs das Areal zwischen Rhein und Wiese in einem gewaltigen Aufschwung bereits in den 1950er-Jahren um zahlreiche Fabrikgebäude, Direktionssitze, Verpflegungsstätten und Strassen. Prägend für das Gebiet waren insbesondere die Unternehmen Ciba, Geigy und Sandoz. Aus der Fusion Ciba-Geigy und Sandoz ging 1996 Novartis hervor. Der Chemiebereich wurde ausgegliedert und 2008 vom deutschen Chemieunternehmen BASF übernommen. 2019 verkaufte Novartis seine Arealteile an die Rhystadt, BASF seine an Swiss Life.
Damit beginnt nach über 150 Jahren ein neues Kapitel Stadtteilgeschichte. Wie diese Verwandlung funktionieren soll, wie also ein versiegeltes, teilweise belastetes Industrieareal in ein gemischtes Stadtquartier transformiert wird, beschreiben die Pläne der Rhystadt AG, Swiss Life und dem Kanton Basel-Stadt im Rahmen von klybeckplus.
Warum 1550 Bäume so wichtig sind
Die Herausforderung besteht darin, ein weitgehend versiegeltes und teilweise belastetes Gebiet zu entlasten und Flächen nachhaltig und umsichtig zu entsiegeln. Das bedeutet vor allem: Weniger Teer und Asphalt, mehr Flora und Fauna, mehr Bäume. Insgesamt sollen am Ende des Entwicklungsprojekts über 1550 Bäume auf dem gesamten Areal wachsen – fast dreimal so viel wie heute. Die bestehenden Bäume bleiben, wo immer möglich, erhalten und werden durch zahlreiche Neupflanzungen ergänzt.
Auch die Verbindung der zwei grossen Basler Biotope um die Flüsse Rhein und Wiese ist von Bedeutung – für Menschen, Tiere und Pflanzen. Aktuell noch durch Zäune, Mauern, Verkehrswege behindert, sollen sich Tiere und Pflanzen besser zwischen den zwei grossen Feuchträumen bewegen können – und so die Biodiversität stärken.
Diese Entwicklung wird sich auch auf das Stadtklima auswirken. Mehr Grünflächen, entsiegelte Böden und begrünte Vorgärten, Dächer und Fassaden helfen dabei, Wasser zu speichern und so zur nächtlichen Kaltluftbildung beizutragen. Insbesondere angesichts immer längerer und intensiverer Hitzewellen im Sommer sorgt dies dafür, dass sich das Quartier weniger stark aufheizt und nachts schneller abkühlt. Dadurch steigt die Aufenthaltsqualität und Gesundheitsrisiken sinken – vor allem für ältere Menschen und kleine Kinder.
Die industrielle Nutzung der Vergangenheit hat jedoch auch ihre Spuren hinterlassen – sowohl im Untergrund als auch in den Gebäuden. Dank kontinuierlicher Untersuchungen besteht heute ein detailliertes Bild der Belastungssituation auf dem Areal. Die gesetzlichen Bestimmungen für den Umgang mit Belastungen geben klare Rahmenbedingungen vor. Jedes bauliche Vorhaben wird streng geprüft und aufmerksam begleitet, damit im Neuen Klybeck künftig gut, gesund und gerne gelebt und gearbeitet werden kann.
Ressourcenschonender Umgang
Auch die Modernisierung der Energieversorgung ist Teil der Quartierentwicklung. Im Neuen Klybeck kommen keine fossilen Brennstoffe mehr zum Einsatz. Stattdessen werden lokal vorhandene Ressourcen wie Flusswasser, Erdsonden, Solarenergie und Abwärme genutzt. Ergänzt werden diese Massnahmen durch den Anschluss an das Basler Fernwärmenetz der IWB. Damit wird das Quartier so entwickelt, dass es den Klimazielen des Kantons Basel-Stadt entspricht: Bis 2037 will der Kanton klimaneutral sein.
Dazu tragen auch die Wiederverwertung von Baumaterialien, die Vermeidung grauer Energie und ein verantwortungsvoller Umgang mit Flächen und Ressourcen auf dem neu entstehenden Areal bei.
Ein Quartier im Wandel
Die Entwicklung des Klybeck-Areals ist ein Generationenprojekt mit hohen ökologischen, sozialen und städtebaulichen Ansprüchen. Aus dem ehemaligen Industrieareal ein naturnahes Quartier zu machen, das Raum für modernes Wohnen und Arbeiten im Grünen bietet, ist ein langfristiger und anspruchsvoller Prozess. Aber auch das Rheinschwimmen war einmal unvorstellbar und ist mittlerweile selbstverständlicher Teil jedes Stadtsommers.


